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INTERVIEW MIT SCHWARWEL – TEIL 2: SCHWARWEL UND SEIN NEUER TRICKFILM

Interview mit Schwarwel

zu seinem neuen Trickfilm

„1989 –

Unsere Heimat, das sind nicht nur die Städte und Dörfer“

Teil 2

INTERVIEW TEIL 1: www.1989-unsere-heimat.de/interview-mit-schwarwel-teil-1-schwarwels-lebenschaffen-in-der-ddr-und-waehrend-der-wendezeit

Was sind deine Beweggründe, einen Trickfilm zur Friedlichen Revolution und die Ereignisse am 9. Oktober 1989 inklusive der Darstellung der DDR-Geschichte zu machen?

Schwarwel: Als wir darüber nachdachten, was als nächstes eigenes Projekt in Frage käme, schimmerte die 25. Jährung der Friedlichen Revolution bereits am Horizont. Das reizte mich, weil bei mir so viele Erinnerungen verschütt gegangen sind und ich so vieles ausgeblendet habe, dass ich es für eine gute Gelegenheit hielt, mal ein bisschen Gehirntraining auf professioneller Basis zu absolvieren. Hätte mir jemand gesagt, dass das dermaßen anstrengend und emotional aufwühlend sein würde, hätte ich mir mehr Zeit dafür gelassen.

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Warum verfilmst du in deinem neuen Trickfilm deine eigene Bio?

Schwarwel: Das mache ich ja nicht in Länge und Breite. Meine Bio bildet nur den Rahmen, in dem ich die innere Landkarte abstecken kann. Da ist viel Ausgelassenes und nur die Eckdaten stimmen, sind aber auch allgemein genug, dass sich andere ebenfalls damit identifizieren können. Plus: Ich kann nichts erzählen, von dem ich keine Ahnung habe. Selbsterlebtes und Selbstgefühltes wird dem Betrachter sicher authentischer vorkommen als eine zurechtgebastelte Handlung, die nur dazu dient, seine Informationen beim Rezipienten abzuliefern. Das reizt mich nicht.
Andererseits ist dieses Autobiografische natürlich auch eine große Tigerfalle und man muss höllisch aufpassen, dass einem beim Suhlen in den eigenen Emotionen nicht der Handlungsbogen abhanden kommt. Beim Schreiben des Drehbuchs und auch jetzt bei diesem Interview heulte und heule ich manchmal Rotz und Wasser, weil sich irgendetwas löst oder mir neuerlich die Unbegreiflichkeit vieler Begebenheiten die Beine wegreißt – davon kann nur ein Bruchteil in so einen kurzen Trickfilm, und mehr braucht auch gar nicht rein, weil es sonst elegisch und selbstmitleidig und matschig und – was das Schlimmste wäre – nicht nachvollziehbar wird. Der Film soll jedoch die Funktion haben, Erinnerungshelfer für andere zu sein – da ist es gut, die eigene Bio als Steinbruch anzubieten, aber nicht jeden Kiesel mitzugeben.


Ihr seid eines der wenigen Studios, die noch klassische 2D-Trickfilme herstellen. Bleibt ihr bei „1989“ eurem Stil treu? Wird euer Film eher realistisch wie eure beiden letzten Trickfilme „Richard – Im Walkürenritt durch Wagners Leben“ und „1813 – Gott mit uns“ oder eher cartoony-lustig wie eure „Schweinevogel“- und „Herr Alptraum“-Filme?
Was ist das Besondere an 2D?

Schwarwel: Ja.
Von allem nur das Beste. Dieses Thema bot die Gelegenheit, eine Geschichte mit verschiedenen Stilarten zu erzählen – von funny und cartoony über semi-funny zu semi-realistic und realistic. Ob das geklappt hat, kann am Ende nur der Betrachter entscheiden.
Einen Typen wie Honecker als bierernste Realperson zu zeichnen kriegt meine Hand gar nicht hin – der war ja schon im wahren Leben eine Karikatur. Dementgegen habe ich die Menschen auf den Montagsdemos aber so stark wie kaum vorher oder nachher als „echte“ Menschen wahrgenommen – präsent, anwesend, absolut im Moment – dem wollte ich in den entsprechenden Filmsequenzen Rechnung tragen.
Das Drehbuch entstand dann unter dieser Selbstbeauftragung: Einerseits Erklärbär, um die Situationen aus etwas Abstand zeigen zu können, andererseits großes Erzählkino in wenige Minuten gepresst, das emotional einen Angelhaken ins Auge und Herz des Betrachters schlagen will. Für die unbeschwerte Kinderzeit der beiden Protagonisten sind dann die Zwischentöne der Stilistiken reserviert: wie in einem Almanach oder einem Lexikon sollen so die verschiedenen Elemente mit ihrer jeweils eigenen Bildsprache ihre jeweilige Wirkung erzielen.
Dafür gibts für uns als kleines Trickfilmstudio, das sich seit Jahr und Tag mit handgemachten 2D-Filmen befasst, natürlich nur dieses eine Ausdrucksmittel. Um die gleiche Wirkung in Gestiken und Mimiken in einem 3D-animierten Film zu erzielen, braucht man schlichtweg viel mehr Zeit und Geld – und mit den momentanen Möglichkeiten für Studios, die nicht Disney/Pixar, Sony oder Dreamworks heißen, lässt sich sowas meiner Meinung nach nicht leisten.
Nichtsdestotrotz suchen wir momentan nach guten Varianten, 3D besonders in den Realzeichnungen einzusetzen, um mehr Kraft, mehr Tiefe in die Bilder zu bekommen.

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Bisher konnte man noch nirgends etwas dazu finden, welche Musik/Komposition ihr verwendet und wie sich euer Film soundmäßig gestalten wird. Es bietet sich ja an, den Filmtitel zu vertonen, oder? Was bekommt der Zuschauer zu hören?

Schwarwel: Bis die Rechte für existente Musik geklärt sind, wirds auch nichts zu hören geben, aber die Ideen und Skizzen, die bisher dafür existieren, werden mit Sicherheit unseren Vorgängerfilmen in nichts nachstehen.
Ich lehne mich momentan weit aus dem Fenster, wenn ich schon mal gewaltige Chöre mit illustrer Besetzung verspreche und zudem schon hören kann, wie unsere Soundabteilung in ihren Giftschränken wühlt, um ihre 50 Prozent des Gesamterlebnisses „Film“ in dutzende Tonspuren zu gießen. Da freue ich mich schon drauf.


Auf eurer Webseite www.1989-film.com habt ihr einen Zeitzeugen-Foto-Aufruf gestartet. Warum? Wofür möchtet ihr die Fotos, Videos und Zeitdokumente verwenden?

Schwarwel: Der Aufruf soll die Leute ermuntern, ihre Fotoalben von damals rauszukramen und mal zu gucken, ob sie nicht doch noch eine Stadtansicht, einen Schnappschuss oder etwas anderes in petto haben, das wir als Vorlagen für unseren Trickfilm nutzen können, um es auf diese Weise so unsterblich zu machen, wie ein Trickfilm eben unsterblich sein kann.
Allzu viele Fotos konkret vom 9. Oktober 1989 kenn ich bisher nicht, obwohl wir schon ziemlich tief und an den richtigen Stellen gegraben haben. Da wir aber eine möglichst korrekte Darstellung dieser Momente zeigen wollen, lassen wir nichts unversucht, um vielleicht noch das eine oder andere Juwel zu Tage zu fördern.
Neben der Verwendung als Vorlage für die Zeichner packen wir die Fotos – wenn das gewünscht oder erlaubt ist – auch noch auf unsere begleitende Dokuseite im Web und – so es dieses Buch geben wird – ganz gern auch noch in locker geplantes Buch-zum-Film, das den Almanach-Charakter des Trickfilms einfach konsequent weiter führen soll.
Ergo: Bitte mitmachen und Fotos suchen!

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Werdet ihr auch Zeitzeugen befragen und diese in eurem Film verwenden?

Schwarwel: Mussja. Für den Abspann könnte ich mir das im Moment sehr schön vorstellen – wie das aber konkret wird, lass ich mal noch offen, da wir uns jetzt keine Option vergeben wollen. Nachher sind die Interviews noch besser als gedacht, dann wäre es doof, wenn wir das nur als Schnitzwerk für Minisequenzen ausschlachten, statt eventuell etwas Weiterführendes daraus zu machen.
Einen Redakteur für dieses Ressort gibt es schon, eine ziemlich lange Liste an Zeitzeugen auch – allerdings wollen wir den Kontext noch besser ausfeilen, damit wir nachher nicht nur eine Tüte bunter Murmeln haben. Das würde der Sache–- dem Erinnern an die Wende – nicht gerecht werden.


Ihr gebt seit vielen Jahren Comic-, Trickfilm- und Kreativ-Workshops und integriert dabei auch eure Filme. Wie kann man sich das vorstellen, wie gestalten sich eure Workshops? Wer sind eure Teilnehmer und wer ist eure Zielgruppe?

Schwarwel: Die Trickfilme sind ein idealer Einstieg, um mit Kursteilnehmern ins Gespräch zu kommen und sie „abzuholen“. Wir nutzen die Filme häufig bei Workshops an Schulen, bei freien Trägern oder in Lernstuben in Absprache mit den Lehrern für Geschichte, Kunst, Deutsch und/oder Musik oder mit den Kuratoren. Dabei gucken wir, dass wir Kursthemen finden, die mit dem Lehrplan zu tun haben, aber vor allem auch bei den Schülern andocken, weil sie beim Kurs merken, dass die behandelten Sachen direkt etwas mit ihrem Leben zu tun haben.
Unseren Trickfilm „1813 – Gott mit uns“ verwendeten wir beispielsweise bei einem Graphic-Novel-Kurs mit der Überschrift „Liebe und Krieg“, da dieser Film über die Beteiligten der Völkerschlacht eben vor allem von dem Leid der in die Schlacht geworfenen und ihren Lieben handelt. Damit kann ein Schüler ja in jedem Fall was anfangen. Die Ergebnisse des Kurses waren alle sehr schön, meist ziemlich ehrlich aus dem Bauch raus, die Leute öffnen sich und werden zugänglicher, wenn man als Kursleiter vorzeigt, dass man auch alles in den Topf wirft, was man selber erlebt hat.
„Richard – Im Walkürenritt durch Wagners Leben“ verwenden wir zum Beispiel für Themen wie moderner Umgang mit klassischer Musik, da der Walkürenritt in unserem Film als Rockversion zu hören ist und dabei die zackig erzählte Handlung Wagners Leben und sein Werk miteinander neu verwebt, ohne mit ellenlangen Monologe und Datumslisten um sich zu werfen.
Wir haben da bisher durchweg gute Erfahrungen gemacht, weshalb wir „1989 – Unsere Heimat …“ natürlich auch für solche Angebote verwenden werden. Das lässt Geschichte nicht so staubtrocken erscheinen und meistens merken die Leute vor lauter Infotainment gar nicht, dass sie gerade ganz viel gelernt haben.
Besser gehts ja wohl kaum.

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Wie verwertet ihr euren Film über Workshops hinaus und wird es wieder filmbegleitende Veranstaltungen geben?

Schwarwel: Direkt am 9. Oktober wird Film im MDR Fernsehen im Rahmen eines Themenabends zur Friedlichen Revolution laufen und natürlich gibts am nächsten Tag auch eine Premierensause im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig, denn da gehört so ein Film auch idealerweise hin. Eine schöne, große Leinwand und eine gute Soundanlage haben die dort auch, die Zeitzeugen bringen wir selbst mit.
Wir haben für uns festgestellt, dass wir mit unseren Kurzfilmen neben dem „normalen“ Weg durch die Filmfestivalwelt und auf die Mattscheibe auch noch viel mehr anfangen können, da wir es immer schlimm und schade fanden, dass mangels genügender Verwertungsformate in Kino und TV einfach zu wenig Leute die Filme überhaupt zu sehen bekamen – meistens nur ein Special-Interest-Publikum wie eben die Filmfestivalbesucher oder Menschen, die nachts um Zwei durch die Programme zappen, weil sie nicht schlafen können.
Deshalb suchten wir nach weiteren Möglichkeiten, neue Publikümmer zu finden.
Inzwischen zeigen wir die Filme auch bei verschiedenen Veranstaltungen, auf Comicmessen, bei Rahmenprogrammen von Weihnachtsmärkten, in Gesprächsrunden oder eben bei Workshops und Kursen.
Dabei ist aus der Not inzwischen eine Tugend geworden, denn die Verwertung befruchtet natürlich die nächste Arbeit. So überlegen wir schon in der Planungsphase, wie man eben Themen wie die Wende 1989 so filmisch aufbereiten kann, dass es sowohl bei einem Festivalpublikum funktioniert als auch bei Jugendlichen, die etwas mehr wollen als drögen Frontalunterricht.
Konkrete Verwertungen und Veranstaltungen findet man selbstredend auf unserer stets aktuellen 1989-Webseite.


Ihr macht seit vielen Jahren Kurztrickfilme. Warum entscheidet ihr euch immer wieder für dieses Medium? Sind eure einzelnen Filme thematisch und inhaltlich miteinander verknüpft?

Schwarwel: Aus den eben genannten Gründen ist für mich als Regisseur genauso wie für unser Studio Glücklicher Montag die Kunstform des Kurzfilms ideal, um damit zu arbeiten. Kurzfilme lassen sich sehr gut in bestehende Programme einbauen oder zu themenbezogenen Abenden ergänzen. Und sie können als Aufhänger für Veranstaltungen fungieren, als trojanische Pferde, um locker in ernsthafte Themen zu finden, vor denen man andernfalls meist zurückschreckt, weil sie scheinbar so viel Konzentration und Aufmerksamkeit erfordern.
Daneben ist natürlich auch die Produktionszeit überschaubar und ein Kurzfilm lässt sich eher finanzieren als ein Film, der über eineinhalb Stunden geht – zwar haben wir ein paar Stoffideen für Langfilme, aber so richtig gereizt hat uns so ein langwieriges Unterfangen noch nicht. Und vor allem: das Thema Kurzfilm ist bei uns einfach noch nicht ausgereizt.
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Warum hast du dich für folgendes Zitat bei eurem Film entschieden?
„Ein Mensch ohne Geschichte ist wie ein Baum ohne Wurzeln.“
(Spruch an einer Hauswand gegenüber dem Reichstag)

Schwarwel: Da kommste selbst drauf.

Danke.

Interview geführt von Sandra Strauß

INTERVIEW TEIL 1: www.1989-unsere-heimat.de/interview-mit-schwarwel-teil-1-schwarwels-lebenschaffen-in-der-ddr-und-waehrend-der-wendezeit

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