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REDE VON HEIDRUN STRAUSS ZU UNSERER PREVIEW „1989 – LIEDER UNSERER HEIMAT – VORWÄRTS IMMER”

An einem Samstagmorgen fahre ich nach Leipzig zu unserer Tochter, um die beiden Hundis abzuholen und entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit, steht Sandra putzmunter und strahlend in der Tür und erwartet mich. Als ich ins Wohnzimmer trete, höre ich ein mir sehr bekanntes, fast vergessenes, Kinderlied aus der DDR, gesungen von einer klaren hellen Stimme. Doch ich stelle nach ein paar Sekunden fest, dass der Text nicht von einem kleinen Mädchen handelt, das sich die Schürze umbindet, Staub wischt und die Stube auskehrt, wenn die Mutti früh zur Arbeit geht. Und die Stimme erkenne ich auch sofort, unsere Tochter singt von einem kleinen Mädchen, das frühmorgens noch ganz müde, an der Hand ihrer Mutti in die Kita läuft.
Und ich habe sofort Bilder vor Augen, die fast 40 Jahre zurückliegen.
Ich sah mich mit unserer kleinen Tochter an der Hand frühmorgens kurz vor um sechs zur Krippe laufen. Sandra war genauso müde, wie das kleine Mädchen in der Episode „Rote Beete“ und meist die Erste in der Morgengruppe (leider auch am Abend meist das letzte Kind, das abgeholt wurde, weil ich bis viertel fünf arbeiten musste). Ja, selbstbewusste und selbstbestimmte junge Frauen in der DDR !!!
Ich hatte Tränen in den Augen und das Herz war mir schwer; jeden Morgen auf`s Neue. Und wenn ich heute daran denke, bin ich immer noch traurig.

Der junge Vati im Film scheint gehetzt, er hat kaum Zeit für seine kleine Tochter, er hat für den Sozialismus da zu sein, soll den Sozialismus retten – genau darauf achtet sein Chef.
Und auch bei dieser Szene habe ich die Bilder unserer kleinen Familie vor Augen. Der junge Vati arbeitet im 2-Schicht-System, ist wenig zu Hause, auch später, als er als Fernfahrer durch halb Europa fährt und wenn er da ist, werkelt er am gemeinsamen Häuschen.

Zum Glück hat unsere Tochter liebevolle Großeltern, die, wann immer es geht, für ihre einzige Enkeltochter da sind. Aber auch die beiden sind noch berufstätig und bei Omi muss es schnell gehen und sie bindet – genau wie im Film – ihrer Enkeltochter die Schnürsenkel zu, denn es gibt für eine voll berufstätige Omi immer viel zu tun.
Am meisten vermisst unsere kleine Tochter ihren geliebten Opi, er muss von morgens bis abends arbeiten, den Arbeiterstaat retten. Unser Töchterchen fühlt sich manchmal allein, genau wie das kleine Mädchen im Film.
Wenn ich heute unsere Tochter anschaue, sehe ich eine selbstbewusste junge Frau, die ihr Leben in die Hand genommen hat und genau das tut, was sie selbst möchte. Und ich bin unglaublich stolz!!!
Wie die Familie im Film sind wir eine glückliche Familie mit Töchterchen, Mutti, Vati, Omama und Opi lächelt von ganz weit oben !!!

Später dann sollte ich Drehbücher lesen, eine echte Herausforderung für mich. Doch auch hier hatte ich binnen kurzer Zeit Bilder aus meiner eigenen Vergangenheit im Kopf.

Das Drehbuch zur Episode „Mädchen mit dem roten Trainingsanzug“ hat mich ganz besonders berührt. Als erstes fallen mir die Bilder von den Turn- und Sportfesten ein. Strahlende junge Turnerinnen auf den Schultern von muskelbepackten Sportstudenten; bildschön anzusehen. Kein Gedanke an Schweiß, Schmerzen, Drill und Tränen, der Alltag für die Sportlerinnen und Sportler in der DDR ist.
Und auch hier finde ich sofort den Bezug zu unserer Familie. Unsere Tochter (gerade einmal 10 Jahre alt) fährt 2-3 mal in der Woche nach dem Unterricht allein mit dem Bus in die Kreisstadt zum Leichtathletik-Training und kommt jedes Mal völlig erschöpft wieder nach Hause. Für uns damals überhaupt kein Problem, das Training ist hart und macht ihr trotzdem Spaß und am Wochenende war Wettkampf.
Auf der ersten großen Zusammenkunft von Trainern, Eltern und Sportlern wurde über die Kadersuche für die KJS (Kinder- und Jugendsportschule) offen gesprochen; danach stand für uns fest – unsere Tochter wird niemals auf diese Schule gehen, mit Internat und Entzug von den Eltern.
Die Szene der gebrochenen jungen Frau nach der Verabreichung der Spritze trifft mich tief ins Herz !

Episode: „Horch, Guck und Greif“
Die Herrenlederjacken- oder Trenchcoatträger, die den jungen Punker mit seinem Gitarrenrucksack und ner Flasche Sternburg-Bier in der Hand im Film „Horch, Guck und Greif“ an der Autobahn beobachten, kenne ich aus meiner Studienzeit in Berlin. Genau solche Typen, die ich erst viel später als Stasi-Typen wahrgenommen habe, säumten die Friedrichstraße, die ich allmorgendlich entlanggegangen bin.
Und auch ich saß solch einem Typen Ende der 80er-Jahre gegenüber. Nicht in einer so extremen Art und Weise wie der Ost-Punker im Film, aber für mich nicht minder furchterregend. Ich wurde ins Zimmer meines Betriebsdirektors zum Gespräch beordert und dort saß so ein geschniegelter, aalglatter Typ, der mich belehrte, dass ich endlich mal was für den Sozialismus tun müsse, schließlich hätte ich ja auf Kosten meines sozialistischen Vaterlandes studiert. Kurz gesagt, ich sollte Bürgermeister in einem Dorf im Leipziger Umland werden. Ich weiß bis heute nicht, wem oder was ich es zu verdanken habe, dass ich genau das nicht geworden bin. War es mein vehementes verneinen oder hatte ich einen Fürsprecher???

Bei der Episode „Muckefuck“, die wir heute nicht gesehen haben, muss ich immernoch ein bisschen schmunzeln. „Muckefuck“ – ein Allerweltskaffeegetränk gehört genauso zur DDR wie leere Regale in einer HO-oder Konsum-Kaufhalle.
Und auch hier kommen mir wieder Bilder in meinen Kopf. Ich sehe den Konsum in unserem kleinen Dorf, vor dem sich schon lange vor der regulären Öffnungszeit um drei eine lange Schlange bildet, besonders am Donnerstag oder Freitag. Jeder muss für das Wochenende einkaufen, in der Hoffnung, es gibt auch noch was Schönes. Besonders vor dem Fleischerstand hat sich eine lange Schlange gebildet und ich steh mit unserer 3-jährigen Tochter mittendrin und warte geduldig, bis wir dran sind.
Die Geduld unseres Töchterchens wird auf eine harte Probe gestellt, denn als ich fast dran bin, kriegt Sandra einen Wutanfall, wirft sich auf den Boden des kleinen Ladens und ich muss mit ihr – ohne das erhoffte Fleisch- und Wurstpaket, aber versehen mit „bissigen“ Kommentaren der anderen Wartenden („Wer ist denn die junge Frau mit dem bockigen kleinen Kind?“, „Ach das ist die junge Frau Strauß aus der Siedlung!“), zur Beruhigung nach draußen. Es war also nichts mit einem Sonntagsbraten; wahrscheinlich gab es am Sonntagmittag Rührei, Spinat, Kartoffeln und … rote Beete!!!
Sogenannte Bückware haben wir meistens nicht bekommen, irgendwie waren wir fast immer zu spät!

Mir kamen beim Lesen der Drehbücher noch unendlich viele Bilder und Gedanken in den Kopf. Bilder aus der Vergangenheit. Habe ich sie bewusst verdrängt ? Sind sie mir im Laufe der Jahre abhandengekommen? Will und kann ich mich erinnern?
Jeder einzelne Trickfilm, jeder einzelne Song regt zum Nachdenken an, zum Auseinandersetzen mit der eigenen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Mal auf einfühlsame Weise, mal sehr drastisch; und genau das macht das Gesamtprojekt so einzigartig!
Für die Generation nach der DDR zeigt das gesamte Projekt ein großes Stück Geschichte auf, das nicht in Vergessenheit geraten darf, Geschichte, die nicht beschönt oder verklärt werden darf.
Wichtig ist für mich immer, in der DDR haben Menschen gelebt, miteinander, füreinander, gegeneinander. Aber es sind immer Menschen, die die Geschichte gestalten.
Ich danke von Herzen den beiden Machern Sandra und Schwarwel, für das in meinen Augen, einzigartige Projekt. Und ich hoffe jeder einzelne, der diesen Film sieht, hat mindestens genausoviele Bilder im Kopf wie ich.

Vielen DANK !!!

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