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SYNOPSIS „1989 – LIEDER UNSERER HEIMAT” VON HEIDRUN STRAUSS

SYNOPSIS „1989 – LIEDER UNSERER HEIMAT” VON HEIDRUN STRAUSS

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Ich durfte Drehbücher lesen, für mich eine absolute Herausforderung!
Die ersten Szenen fielen mir noch etwas schwer, aber dann hatte ich sofort Bilder im Kopf, Erinnerungen an mein Leben in der DDR, immerhin waren es 32 Jahre.

Episode 7: „Rote Beete“

Ich sah mich mit unserer kleinen Tochter an der Hand frühmorgens um sechs zur Krippe laufen; und genau wie das kleine Mädchen in „Rote Beete“ war auch unsere Tochter noch müde, hatte nicht so die rechte Lust zum Laufen, war meist das erste Kind der Morgengruppe. Ich hatte Tränen in den Augen und das Herz war mir schwer; jeden Morgen aufs Neue.
Selbstbewusste und selbsbestimmte junge Frauen in der DDR!!!
Der junge Vater im Film scheint „gehetzt“ – er hat kaum Zeit für seine kleine Tochter; er hat für den Betrieb da zu sein, er soll den Sozialismus retten – genau darauf achtet sein Chef. Und auch beim Lesen dieser Szene habe ich genau die Bilder unserer kleinen Familie vor Augen; der junge Vati arbeitet  im 2-Schicht-System, ist wenig zu Hause.
Omi ist immer im Stress, alles muss schnell gehen; auch hier habe ich das gleiche Bild vor Augen, wie in der Szene dargestellt; Omi bindet ihrer Enkeltochter die Schnürsenkel zu, damit es einfach schneller geht!
Am meisten vermisst unsere kleine Tochter ihren geliebten Opi, er muss von morgens bis abends arbeiten, den Arbeiterstaat retten, ist müde und abgespannt. Und unser Töchterchen fühlt sich manchmal allein, genau wie das kleine Mädchen im Film.
Wenn ich heute unsere Tochter anschaue, sehe ich eine selbstbewusste junge Frau, die ihr Leben in die Hand genommen hat und genau das tut, was sie selbst möchte. Und ich bin unglaublich stolz!!!
Wie die Familie im Film sind wir eine glückliche Familie, mit Töchterchen, Mutti, Vati, Omama, und Opi lächelt von ganz weit oben!!!

Episode 5: „Mädchen mit dem roten Trainingsanzug“

Das Drehbuch zu „Mädchen im roten Trainingsanzug“ hat mich besonders berührt. Als erstes fallen mir die Bilder von den Turn- und Sportfesten ein. Strahlende junge Turnerinnen auf den Schultern von muskelbepackten Sportstudenten; bildschön anzusehen. Kein Gedanke an den Schweiß, Schmerz und Drill, der Alltag für die Sportlerinnen und Sportler in der DDR ist.
Und auch hier finde ich sofort den Bezug zu unserer Familie. Unsere Tochter (gerade einmal 10 Jahre) fährt 2 – 3 mal in der Woche nach dem Unterricht allein mit dem Bus in die Kreisstadt zum Leichtathletik-Training und kommt jedesmal erschöpft wieder nach  Hause. Für uns damals kein Problem, das Training ist hart und macht ihr trotzdem Spaß und am Wochenende war Wettkampf.
Auf der ersten großen Zusammenkunft von Trainern, Eltern und Sportlern wurde über die Kadersuche für die KJS (Kinder- und Jugendsportschule) offen gesprochen; danach stand für uns fest – unsere Tochter wird niemals auf diese Schule gehen, mit Internat und Entzug von den Eltern.
Die Szene der gebrochenen jungen Frau nach der Verabreichung der Spritze trifft mich tief ins Herz.

Episode 2: „Muckefuck“

„Muckefuck“ – ein Allerweltskaffeegetränk gehört genauso zur DDR wie leere Regale in einer HO- oder Konsum-Kaufhalle. Und auch hier kommen wieder sofort Bilder in meinen Kopf. Ich sehe den Konsum in unserem kleinen Dorf, vor dem sich schon vor der regulären Nachmittagsöffnungszeit um drei eine lange Schlange bildet, besonders am Donnerstag oder Freitag. Jeder muss für das Wochenende einkaufen, in der Hoffnung, es gibt noch was. Besonders vor dem Fleischerstand hat sich eine lange Schlange gebildet und ich steh mit unserer 3jährigen Tochter mittendrin und warte geduldig, bis wir dran bin. Die Geduld unseres Töchterchens wird auf eine harte Probe gestellt, dann, als ich fast dran bin, kriegt sie einen Wutanfall, wirft sich auf den Boden des kleinen Ladens und ich muss mit ihr – ohne das erhoffte Fleisch- oder Wurstpaket, aber versehen mit „bissigen“ Kommentaren der anderen Wartenden („Wer ist denn die junge Frau mit dem bockigen kleinen Kind“), zur Beruhigung nach draußen. Es war also nichts mit einem Sonntagsbraten; wahrscheinlich gab es am Sonntagmittag Rührei, Spinat, Kartoffeln und … rote Beete!!!
Sogenannte Bückware haben wir meist nicht bekommen, irgendwie waren wir fast immer zu spät!

Episode 4: „Horch, Guck und Greif“

Die Herrenlederjacken- oder Trenchcoatträger, die den jungen Punker mit seinem Gitarrenrucksack und ner Flasche Sternburg-Bier in der Hand im Film „Horch, Guck und Greif“ an der Autobahn beobachten, kenne ich von meiner Studienzeit in Berlin. Genau solche Typen, die ich erst viel später als Stasi-Typen wahrgenommen habe, säumten die Friedrichstraße, die ich allmorgendlich entlanggegangen bin. Und auch ich saß solch einem Typen Ende der 80er-Jahre gegenüber. Nicht in so einer extremen Art und Weise wie der Ost-Punker im Film, aber für mich nicht minder furchterregend. Ich wurde ins Zimmer meines Betriebsdirektors zum Gespräch beordert und dort saß so ein geschniegelter, aalglatter Typ, der mich belehrte, dass ich endlich mal was für den Sozialismus tun müsse, schließlich hätte ich ja auf Kosten meines sozialistischen Vaterlandes studiert. Kurz gesagt, ich sollte Bürgermeister in einem Dorf im Leipziger Umland werden. Ich weiß bis heute nicht, wem oder was ich es zu verdanken habe, dass ich genau das nicht geworden bin. War es mein vehementes Verneinen oder hatte ich einen „Fürsprecher“???

Zusammenfassung

Mir kommen beim Lesen der Drehbücher noch unendlich viele Bilder und Gedanken in den Kopf. Bilder aus der Vergangenheit. Habe ich sie bewusst verdrängt? Sind sie mir im Laufe der Zeit „abhanden“ gekommen? Will und kann ich mich erinnern???

Jeder einzelne Trickfilm, jeder einzelne Song regt zum Nachdenken an, zum Auseinandersetzen mit der eigenen Vergangenheit. Mal auf einfühlsame Weise, mal sehr drastisch; und genau das macht dieses Gesamtprojekt so einzigartig!  
Für die Generation nach der DDR zeigt das gesamte Projekt ein großes Stück Geschichte auf, die nicht in Vergessenheit geraten darf, die nicht beschönt oder veklärt werden darf.
Wichtig ist für mich immer, in der DDR haben Menschen gelebt, teils miteinander, teils füreinander, teils gegeneinander. Aber es sind immer Menschen, die die Geschichte gestalten!

DANKE!!!

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